
Der Ursprung der Schützengilden fällt mit der Entwicklung von Ansiedlungen zu Städten und, damit verbunden, des Entstehens eines freien Bürgertums zusammen.
Es waren bewaffnete Bürgerverbindungen, denen der Schutz der Städte oblag, und nur Männer mit Ehre und einem tadellosen Lebenswandel fanden unter ihnen Aufnahme.
Das Vorrecht des Waffentragens war Ausdruck hoher Wertschätzung und öffentlicher Achtung, außerdem waren damit bedeutende Vergünstigungen (Privilegien) verknüpft.
In der Schützengilde erhält die bewaffnete Bürgerschaft im 15. Jahrhundert ihre Organisation.
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Wie oben erwähnt, ist das Stadtrecht für das Enstehen einer freien Bürgerschaft bedeutsam.
Allerdings kann der Einfluß der Bürger auf die Geschicke Jenas erst für einen späteren Zeitpunkt festgestellt werden.
Das Alter der Jenaer Schützengesellschaft kann daher nicht zweifelsfrei und mit eindeutigen Belegen definiert werden.
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1304:
In Jena erfolgte eine erste urkundliche Erwähnung einer wehrhaften Bürgerschaft durch
Schlichtungsurkunden vom 10. und
16. März 1307.
Diese betreffen die Versöhnung des Burggrafen Otto von Kirchberg und seiner Söhne Dietrich, Otto, Albrecht, Hartmann und Heinrich mit dem Grafen Hermann von Orlamünde, den Brüdern Albrecht und Hermann von Lobdeburg, genannt von Leuchtenburg, und den Räten und Bürgern von Erfurt, Mühlhausen und Jena wegen der Eroberung und Zerstörung der zwei Hausbergburgen Kirchberg und Windberg.
Sie belegen damit auch die 8-wöchige Belagerung (ab 30. April - Walpurgisnacht) und Besetzung der dritten Burg Greifenberg im Jahre 1304.
Genannt werden dabei die Räte und Bürger Erfurts, Nord- und Mühlhausens sowie die Jenaer.
Den Kirchbergern wurden empfindliche Störungen der Handelswege nachgesagt, in Wirklichkeit war die strategische Position der Burgen den aufstrebenden Städten ein Dorn im Auge.
Bei dieser "Befriedung" fanden sie eifrige Mitstreiter durch die Leuchtenburger, ihnen gehörten bis 1332 noch große Teile der Stadt Jena und sie lagen mit denen von Kirchberg ständig in Streitigkeiten und Fehde.
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1329 stellte die Stadt Jena zur Heerfahrt zwei Heerwagen mit jeweils 5 Pferden versehen und 21 Bürgern bemannt. /24/
1404: Die Jenaischen Statuten aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts enthalten auch Paragraphen, welche die damalige Ausrüstungsweise der Bürgerschützen betreffen. Es finden sich Verbindungen zum Brau- und Schankrecht. /2/
1430: Am Aschermittwoch (1. März) begannen die Wiederherstellung der Stadtmauern, die Reinigung der Stadtgräben, der Umbau des (heutigen) Roten Turmes und der anderen damit zusammenhängenden Bauten. Diese Arbeiten wurden bis Michaelis (29. Sept.) vollendet. /22a/
1431 erhielt das Löbdertor ein Vortor, einen großen halbrunden massiven Geschützhof. In die Folgezeit fallen auch weitere Um- und Neubauten an der Stadtmauer. /22b/
1459: Der Ratsmeister Niclas Turkauf (Teuerkauf) führt das Aufgebot der Stadt Jena, 100 Mann zu Fuss und 20 zu Pferde mit 9 Feldwagen, ins Reich gegen den Herzog Ludwig in Bayern, wobei die Männer 8 Wochen ausbleiben und 128 Goldgulden verzehren. /15b/ /24/
1460: Die Stadt Jena stellt dem Herzog 100 Trabanten und 7 Wagen zum Kriegszuge (nach Sa., d. 3. Mai). /15b/
1477 wurde durch die Landes- und Stadtherren in Jena ein "Schützenhof" abgehalten. Es ist anzunehmen, daß nur Adelige zum Schuß kamen. Ein weiterer Schieß- und Rennhof wird für Erfurt vereinbart. /2/ /11b/ /15b/
1482: „Nach einem sächsischen Aufgebotsregister anno 1482 hat Ihene zu stellen: 40 drabanten, 4 wagen, 2 karren steinbüchsen uf sonderlichen ahnhangenden karren liegend, 20 steyn, 1 tonne pulver, 1 buchsenmeister, 1 steinmetzen, 1 zimmermann, 1 wundartzt ieglichen mit sym gezüge, 1 trummeter, 1 brechysen, 1 kilhauwen, 1000 pfile, 1 setzetartzschen und 1 redlichen ihres raths vor ein heuptmann zu schicken.” /15b/ /24/
1485: „In einem Aufgebotsregister anno 1485 wird angeführt: Ihene, Burga, Glisperk, Wintberg, Isemberg: Heinrich Münch amptmann mit den mannen.” /15b/
1489/90: Sechs Schützen fahren als Gäste nach Neustadt (O). /JZ/
1490:
Die Stadtrechnung verzeichnet für dieses Jahr ein Schützenfest in Jena.
Neben der Herrichtung der Schießanlagen und Verköstigung wurde auch eine nicht unerhebliche Geldsumme für Schießblätter (Zielscheiben) ausgegeben.
Letzters deutet darauf hin, daß auf den Vogel wohl nicht geschossen wurde.
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„Von Dienstag nach Allerheiligen bis Montag nach Leonhardi wird in Ihene ein fürstlicher Renn- und Schiesshof auf der Landfeste abgehalten” (2.-8. November).
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Daß dies ein großes und bedeutendes Fest gewesen sein muß, beweist der Umfang der erwarteten Gäste (ca. 400 an der Zahl) und deren Hochrangigkeit − Patrizier aus Erfurt, Bürger aus Weimar, Ratsherren aus Orlamünde und Kahla.
Sie wurden durch den allergnädigsten Kurfürst Friedrich den Weisen und die Jenaer Ratsherren persönlich begrüßt.
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Ausgetragen wurden die Wettkämpfe wahrscheinlich als Armbrustschießen auf einen an 30-40 Fuß langen Stangen befestigten hölzernen Vogel und als Bogenschießen auf Ringscheiben.
Gute Schützen erhielten Zweckfahnen, schlechte Schimpffahnen.
Das höchste Ziel war der Vogelkopf.
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An einer anderen Stelle wurde dieses Schießen als ein neuerlicher "großer öffentlicher Schützenhof" erwähnt.
Beleg für dieses Ereignis ist eine Einladung des Kurfürsten Friedrich (den Weisen) an seinen Vetter Herzog Georg (den Bärtigen) in Dresden.
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1495: In den städtischen Rechnungsbüchern sind zwei Fahrten der Schützen nach Weimar verzeichnet, am 13. Juli und am 29. August. /JZ/
1504: „Aus dem Amte Ihene und Burgawe haben zu gestellen: die Stadt Ihene, das Jungfrauenkloster daselbst, dessen arme Leute und der Brückenhof je 1 Wagen, die Bürger zu Lobda, die vom Rotenstein je 1 Wagen, Mawe und beide Lutra zusammen 1 Wagen, Nengistorf, Rota, Ieschuitz, Kropitz und Burgawe zusammen 1 Wagen, Amerbach, Monrode, Wintzerlein und Bucha zusammen 2 Wagen, Golmestorff und Loberschitz zusammen, Bewtenitz und Newbar zusammen, Wenigen Ihene, Brißenitz und Rodegast zusammen und Isserstett und Kotschaw zusammen je 1 Wagen, alle mit Pferden, Knechten und Zubehör ausgerüstet.” /15b/
1510: Die Musterung der Ämter Ihene und Burgaw (Closewitz, Haynichen, Coswede, Lobeschitz) ergab im September 55 streitbare Männer, davon 8 gerüstete. /15b/
Ab 1523 erleichterte eine neue bzw. umgebaute Brücke über die Mühl-Lache den Zugang auf die Landfeste. Dieser linke Arm der Saale wurde auch nur "Saale" genannt. /6/ /15b/
1528: „Montags nach Creuzerhebung [21. Sept.] ward eine Verordnung publiciret, daß … in den Schenken solle Niemand Gewehr bey sich haben, und ihme abgenommen werden.” /6/
1531: Befreundete Schützengesellschaften trafen sich auch früher regelmäßig zu Vergleichswettkämpfen. Beweis dafür ist die öffentliche Einladung der Zwickauer Schützen an die Jenaer im Jahre 1531 zu einem allgemeinen "Gesellenschießen" am Sonntag nach Ägidii (3. Sept.). Auch damals wurden detaillierte Regeln für die Ausrichtung der Wettkämpfe vereinbart sowie zahlreiche und wertvolle Preise vergeben. /2/ /6/
1534:
Das erste öffentliche Vogelschießen ist für Jena aus dem Jahre 1534 überliefert.
Nach den Pfingstfeiertagen (So: 24. Mai) trafen sich die Jenaer Schützen unter den Bürgermeistern Johann Geiselmann und Johann Flachen auf dem damaligen Schieß- und Schützenplatz der Landfeste, genannt der Schützenplan.
Bekannt sind die besten Schützen jener Tage:
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| Treffer Hals und Kopf: | Valentin von Berga, |
| Flügel: | Wolff Born, |
| Brust: | Johann Töpffer. |
1536: Nach der Stadtrechnung werden den Schützen und Schießgesellen Wein bezahlt, als sie Pfingsten (Juni) den Vogel abschossen. /JZ/
1537: Der Zusammenschluß zu einer Gilde scheint vollzogen zu sein. Der Rat gibt den "Schießgesellen" zum Bau ihres Hauses im Schützengraben auf der Landfeste 10 Schock 30 Groschen. /JZ/
1538: Für dieses Jahr ist zu Pfingsten (So: 9. Juni) ebenfalls ein Schützenfest verzeichnet. Als Gäste konnten begrüßt werden: Curfürst Johann Friedrich (Hanfried), sein Halbbruder Herzog Johann Ernst I. sowie ein Herzog von Braunschweig und Lüneburg. /1/ /2/ /6/
1539: „Mittwochs nach Quasimodogeniti [16. April] ist in und um Jena ein starkes Aufgebot geschehen also, daß nur der vierte Mann zu Haus bleiben sollen; und sind bey Weimar auf die 10-tausend Mann zusammenkommen.” /6/
1542:
"Feldzug" gegen Herzog Moritz (Wurzener Krieg), der ziemlich unblutig verlief.
Daran nahmen 200 Jenaer unter Bürgermeister Johann Geißelmann (Hauptmann) teil, darunter Fähnrich Hans Stapis (Staps) und Feldschreiber Christoph Krause.
„Und als der Curfürst wider Herzog Henrichen zu Braunschweig gezogen, hat die Stadt Jena acht Heerwagen dazu gegeben.”
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1545: „Und am Sonntage nach Michael [4. Okt.] ward Abends um 10 Uhr die Trommel gerühret, und von Stunde an wurden 150 wehrhafte Bürger nach Weimar geschickt; Hauptmann war der Bürgermeister Wolf Druckscherf, Fähnrich Hans Stapis.” − Abwehr des zurückgekehrten Herzogs von Braunschweig. /6/
1547: In der unglücklichen Schlacht bei Mühlberg gingen viele städtische Kanonen verloren. Im Ergebnis der Niederlage verlor Kurfürst Johann Friedrich der Großmütige (Hanfried) seine Freiheit, seine Kurwürde und fast zwei Drittel seines Herrschaftsbereiches, der sich danach auf thüringisches Gebiet beschränkte. /22c/ /24/
1551, den 28. April fällt ein Wolkenbruch im Mühltal zu Jena und das Hochwasser schwemmt die Vogelstange hinweg, diese wird sofort wieder aufgebaut. /2/ /11c/
1552 erhielt die Jenaer Schützengilde vom Landesfürsten allergnädigst ein Privilegium erteilt. Dieses Privileg war Krönung der Vergünstigungen und Statuten der Schützengilde. /2/ /4a/
1561 veranstaltete die Stadt Coburg auf Veranlassung des Herzogs Johann Friedrich des Mittleren in der Woche Margarethe (So., 13. Juli) ein großartiges Armbrustschießen. Unter den 43 eingeladenen Städten befanden sich auch: Bürgel, Dornburg, Eisenberg, Jena, Kahla, Lobeda sowie weitere thüringer Orte. /13/
1562, den II. Martii wurde die Vogelstange vom Sturmwind niedergeworfen. /1/ /2/ /11c/
1573:
„Ein Glanzstück mitteldeutscher Schützenfeste stellte das große Fürstenschießen des Jahres 1573 in Zwickau in Sachsen dar.
In Anwesenheit des Kurfürsten August von Sachsen und seiner Gemahlin Anna nahmen zahlreiche Fürstlichkeiten, Adelige und Vertretungen von Städten daran teil.”
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Eine Teilnahme von Jenaer Schützen wird vermutet.
1575 wurde wieder eine neue Vogelstange errichtet. /2/ /11c/
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Jena, den 26. Januar 1997 -