Schützenadler
Kalender der Schützengesellschaft Jena

Fahnenweihe der Schützengesellschaft
am 23. Juni 1929 im Schützenhof am Kieshügel

24. Juni: Das Schützenfest der Priv. Schützen­gesellschaft nahm bereits am Sonnabend seinen Anfang. Während des ganzen Tages dauerte das Preis­schießen an, und abends eröffnete ein Zapfen­streich den Kommers im Schützen­hof, zu dem sich zahlreiche Ehren­gäste und Schützen eingefunden hatten.

Obwohl der Sonntag verregnete und der äußere Glanz infolgedessen verblaßte, ließen es sich die Schützen nicht nehmen, in großem Festzuge durch die Stadt zu ziehen. Es war ein prächtigen Bild, die Mannig­faltig­keit der Uniformen, die studen­tischen Korpo­rationen in Wichs, die Fahnen, Musik­kapellen, Ehren­wagen und Reiter in male­rischer Farben­zusam­men­stel­lung durch die Straßen ziehen zu sehen. Darum umsäumten trotz des Wetters lange Zuschauer­reihen den Festzug.

Auf dem Schützenhof gruppierten sich die Teilnehmer zur Weihe der neuen Fahne um die aufgebaute Kanzel, und Schützen­hauptmann Zippel hieß alle Erschienen, vor allem den Protektor des Festes, Ober­bürger­meister Dr. Elsner, Se. Magnifizenz den Rektor der Universität Prof. Dr. v. Zahn, Ober­landes­gerichts­präsident Dr. Becker, Oberbaurat Bandtlow, Stadtrat Pitt, Berufs­schul­direktor Trier, den Bundes­vor­sitzenden Höhne, den Gau­vor­sitzenden Schwabe, die studentische Vertreter­schaft und die zahlreichen auswärtigen Schützen­abordnungen herzlich willkommen. Nach einem gemeinschaftlich gesungenen Liede hielt Pfarrer Scheibe die Weiherede. Er erinnerte an die Weihe der nun alten Fahne vor 70 Jahren auf der Rasen­mühleninsel und stellte fest, daß eine Gemeinschaft, die sich solche Ziele gesteckt habe wie die Schützen­gesellschaft, immer leben werde, weil sich allezeit Menschen zusammen fänden unter dem Sinn­spruch der Fahne: „Im scharfen Blick und gut Gewehr liegt Schützen­glück und deutsche Ehr!” Das habe man von den Vätern übernommen und lehre es die Enkel: alles für deutsche Treue zu tun. Die Zeit, in der sich zum ersten Male in Jena Schützen zusammen­fanden zum Schutze der Heimat, habe die deutsche Ehre gezeigt. 625 Jahre habe das Band gehalten, und das sei deutsche Treue. So weihe er die Fahne denen, die nach uns kommen, der deutschen Ehr, und denen, die vor uns waren, der deutschen Treu.

 
  "Im scharfen Blick und gut Gewehr,
liegt Schützenglück und deutsche Ehr."
"Der priv. Schützen-Gesellschaft zu Jena
zum 625jähr. Stiftungstag. Gewidmet von den Frauen."
 

Frau Ehrenhauptmann Beyer übergab im Namen der Stifterinnen, der Schützen­frauen, die neue Fahne dem Vorstand und gab bekannt, daß die Schützen­frauen außerdem noch einen Fond gesammelt hätten, aus dessen Zinsertrag alljährlich ein Schützen­becher angeschafft werden solle. Schützen­hauptmann Zippel übernahm die Fahne und gab sie an den Fahnen­träger weiter.

Oberbürgermeister Dr. Elsner führte in seiner Fest­rede aus, wenn eine Vereinigung länger als ein halbes Jahr­tausend hindurch Kriegs- und Notzeiten überstehe, so müßten es ganz besondere Bindungen sein, die die Mitglieder zusammen­halten. Bei der Schützen­gesellschaft beständen diese Bindungen in der Pflege der Wehr­haftigkeit und des echten deutschen Bür­gersinnes. Das habe auch schon vielfach die Anerkennung der Stadt­verwaltung und eine besondere Förderung der Schützen­gesellschaft durch die Stadt zur Folge gehabt. Für die neue Fahne stifte die Stadt­ver­waltung einen Fahnen­nagel.

Se. Magn. der Rektor der Universität, Prof. Dr. v. Zahn, zeigte die Bestre­bungen auf, die die Schützen­gesell­schaft mit der Universi­tät gemeinsam haben. Die Universi­tät wolle nicht nur Gelehrte, sondern Männer erziehen und pflege deshalb ganz besonders die Wehr­haftigkeit. Das Klein­kaliber­schießen werde in studen­tischen Kreisen immer eifriger betrieben, und die studen­tischen Korpo­rationen seien immer bei den Schützen­umzügen vertreten gewesen.

Der Vorsitzende der studentischen Vertreter­schaft überreichte einen "Hanfried", die Schützen­kameraden aus Jena und aus vielen anderen Orten überreichten Fahnen­nägel und zum Teil sehr kostbare Geschenke.

Die Feier wurde geschmückt durch Lieder­vorträge des Jenaer Männer­gesang­vereins und durch das Spiel einer schneidigen Kapelle. Böller­schüsse trugen die Kunde von dem frohen Fest weit ins Land hinaus.


Anläßlich des 625-jährigen Bestehens der Schützengesellschaft Jena wurde auch eine Festmedaille (Klippe) herausgegeben (<klick!> für größeres Bild):
Medaille

Quellen:
Text:
/JZ/ - 24.06.1929,
Bilder: Ansichtskarte, nicht gelaufen, W. H. Heinecke, Kunstverlag Jena, Wöllnitzer Platz 1 - Sammlung Verfasser,
Medaille: 625 Jahr-Feier der privilegierten Schützengesellschaft Jena • 1304 • 1929, H. Wernstein - Sammlung Verfasser.

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Jena, den 18. September 2010 -