| 24. Juni: |
Das Schützenfest der Priv. Schützengesellschaft nahm bereits am Sonnabend seinen Anfang.
Während des ganzen Tages dauerte das Preisschießen an, und abends eröffnete ein Zapfenstreich den Kommers im Schützenhof, zu dem sich zahlreiche Ehrengäste und Schützen eingefunden hatten.
Obwohl der Sonntag verregnete und der äußere Glanz infolgedessen verblaßte, ließen es sich die Schützen nicht nehmen, in großem Festzuge durch die Stadt zu ziehen.
Es war ein prächtigen Bild, die Mannigfaltigkeit der Uniformen, die studentischen Korporationen in Wichs, die Fahnen, Musikkapellen, Ehrenwagen und Reiter in malerischer Farbenzusammenstellung durch die Straßen ziehen zu sehen.
Darum umsäumten trotz des Wetters lange Zuschauerreihen den Festzug.
Auf dem Schützenhof gruppierten sich die Teilnehmer zur Weihe der neuen Fahne um die aufgebaute Kanzel, und Schützenhauptmann Zippel hieß alle Erschienen, vor allem den Protektor des Festes, Oberbürgermeister Dr. Elsner, Se. Magnifizenz den Rektor der Universität Prof. Dr. v. Zahn, Oberlandesgerichtspräsident Dr. Becker, Oberbaurat Bandtlow, Stadtrat Pitt, Berufsschuldirektor Trier, den Bundesvorsitzenden Höhne, den Gauvorsitzenden Schwabe, die studentische Vertreterschaft und die zahlreichen auswärtigen Schützenabordnungen herzlich willkommen.
Nach einem gemeinschaftlich gesungenen Liede hielt Pfarrer Scheibe die Weiherede.
Er erinnerte an die Weihe der nun alten Fahne vor 70 Jahren auf der Rasenmühleninsel und stellte fest, daß eine Gemeinschaft, die sich solche Ziele gesteckt habe wie die Schützengesellschaft, immer leben werde, weil sich allezeit Menschen zusammen fänden unter dem Sinnspruch der Fahne:
„Im scharfen Blick und gut Gewehr liegt Schützenglück und deutsche Ehr!”
Das habe man von den Vätern übernommen und lehre es die Enkel: alles für deutsche Treue zu tun.
Die Zeit, in der sich zum ersten Male in Jena Schützen zusammenfanden zum Schutze der Heimat, habe die deutsche Ehre gezeigt.
625 Jahre habe das Band gehalten, und das sei deutsche Treue.
So weihe er die Fahne denen, die nach uns kommen, der deutschen Ehr, und denen, die vor uns waren, der deutschen Treu. |
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Frau Ehrenhauptmann Beyer übergab im Namen der Stifterinnen, der Schützenfrauen, die neue Fahne dem Vorstand und gab bekannt, daß die Schützenfrauen außerdem noch einen Fond gesammelt hätten, aus dessen Zinsertrag alljährlich ein Schützenbecher angeschafft werden solle.
Schützenhauptmann Zippel übernahm die Fahne und gab sie an den Fahnenträger weiter.
Oberbürgermeister Dr. Elsner führte in seiner Festrede aus, wenn eine Vereinigung länger als ein halbes Jahrtausend hindurch Kriegs- und Notzeiten überstehe, so müßten es ganz besondere Bindungen sein, die die Mitglieder zusammenhalten.
Bei der Schützengesellschaft beständen diese Bindungen in der Pflege der Wehrhaftigkeit und des echten deutschen Bürgersinnes.
Das habe auch schon vielfach die Anerkennung der Stadtverwaltung und eine besondere Förderung der Schützengesellschaft durch die Stadt zur Folge gehabt.
Für die neue Fahne stifte die Stadtverwaltung einen Fahnennagel.
Se. Magn. der Rektor der Universität, Prof. Dr. v. Zahn, zeigte die Bestrebungen auf, die die Schützengesellschaft mit der Universität gemeinsam haben.
Die Universität wolle nicht nur Gelehrte, sondern Männer erziehen und pflege deshalb ganz besonders die Wehrhaftigkeit.
Das Kleinkaliberschießen werde in studentischen Kreisen immer eifriger betrieben, und die studentischen Korporationen seien immer bei den Schützenumzügen vertreten gewesen.
Der Vorsitzende der studentischen Vertreterschaft überreichte einen "Hanfried", die Schützenkameraden aus Jena und aus vielen anderen Orten überreichten Fahnennägel und zum Teil sehr kostbare Geschenke.
Die Feier wurde geschmückt durch Liedervorträge des Jenaer Männergesangvereins und durch das Spiel einer schneidigen Kapelle.
Böllerschüsse trugen die Kunde von dem frohen Fest weit ins Land hinaus. |