Schützenadler
Die Schützengesellschaft Jena im Wandel der Zeiten

Schützenstände im Laufe der Zeit

Als Schützenstände wurden durch die Schützengesellschaft Jena im Verlauf ihrer Geschichte folgende Orte der Stadt genutzt:

Johannis- und Fürstengraben
Alte Stadtbefestigung, zu Übungszwecken vorwiegend mit der Armbrust (vergleiche Abb. 2).
Adrian Beier schreibt dazu in seinem "Architectus Jenensis": „… weiß ich […] von Büchsenschiessen nach der Scheibe, geschehen im Stadtgraben bey dem Johannisthor gegen den keulichten Thurme, und auf der Landfeste, …”
Und der Chronist Wiedeburg bemerkt zu diesem Schießplatz: „Der obere Johannisgraben hieß vor uralten Zeiten "der Schützengraben", dieweil die Bürger daselbst ihre Scheibenschießen mit Büchsen und Armbrüsten hielten.” /11c/

Landfeste (Landveste), Schützenplan
Zwischen jetzigem Eisenbahndamm und Saale, von der Camsdorfer Brücke stromaufwärts bis zum Wasserwehr (Eisrechenwehr, siehe Abb. 1, Abb. 21, Abb. 23 und Abb. 3).
Bei der Brücke stand ein Schützen-Häuslein (verkauft am 26. April 1827), woraus die Bürger sonntags nach der Vesper-Predigt nach der Scheibe schossen und sonst den Vogel von der Stange abzuschießen pflegten (vgl. Adrian Beier: Architectus Jenensis, 1681). Dieser Schießplatz wurde bis 1825 regelmäßig benutzt. In der Folgezeit ist eine gelegentliche Nutzung mit besonderer Genehmigung nachweisbar (sogar noch 1853). Die bestehende Schießmauer und das abschlägig beschiedene Gesuch zum dortigen Übungsschießen ist für 1860 aktenkundig. /9b/

Rasenmühleninsel
Ab 1826, am Südende der durch die Saale und einem Mühlgraben gebildeten Insel (siehe Abb. 3 und Abb. 3.4). Dort befand sich "gegenüber" der Rasenmühle (stadtseitig) mit dem „Rautenkranz” das Gesellschaftslokal der Schützen.
Der im Jahr 1872 wegen der Errichtung der Saalbahn aufgegebene Schießstand befand sich wahrscheinlich parallel zum Sandweg mit Schußrichtung West. Während der angemeldeten Schießtage war die Benutzung der Verbindungswege nach Lichtenhain polizeilich untersagt - Ober-, Mittel- und Sandweg /JZ/ - vgl. Abb. 3.4.
Außerdem wird angenommen, daß das Schießen anfänglich auch von der Rasenmühle aus in Richtung Süden über die Saale hinweg erfolgte.

Am Kochersgraben (heutiger Straßenname)
Von 1878 bis 1910, in der Nähe des derzeitigen Petersen-Platzes bzw. Friedrich-Engels-Straße (früher: Schützenstraße).

Bemerkenswert ist hier, daß das Schützenhaus und die Schießstände (Schießloge) räumlich durch einen Platz und den Straßenverlauf getrennt waren, Abb. 3.1 und Abb. 7.1 verdeutlichen das. Auf Teilen des Schießplatzes mit der „Schießloge” wurde von 1911 bis 1913 die städtische Oberrealschule erbaut (heute: Adolf-Reichwein-Gymnasium).

Die Schützengesellschaft Jena beabsichtigte im Jahr 1907 unweit des bisher genutzten Schießstandes am Kochersgraben ein neues Areal für den Schießstand zu erschließen, das von den jetzigen Verläufen der Leo-Sachse-, der Kernberg-, der Treunert- und der Neunkirchner Straße eingerahmt wird.
Das sich über ein Jahr hinziehende Verfahren ergab schließlich, daß sich immer wieder Kollisionen mit der sich ausweitenden Bebauung auf dieser Seite des Saaletales ergeben werden. Obwohl eine Genehmigung unter Auflagen möglich gewesen wäre, nahm die Schützengesellschaft Jena deshalb von ihrem Vorhaben Abstand.

Das 1883 eingeweihte Restaurant „Zum Schützenhaus” (siehe Abb. 8, Abb. 9 und Abb. 10) wurde 1913 einschließlich Schützenplatz für 61.000 Mark an die Stadt Jena verkauft /10a/. Allerdings wurde bis 1919 als Eigentümerin des Grundstückes mit dem Gebäude des Schützenhauses die Schützengesellschaft Jena genannt /AB/.
Im Schützenhaus wurde in der Folgezeit durch die Stadt Jena eine Armenküche betrieben, die nach einem Arealtausch mit der Firma Schietrumpf wegen der mit dem Paradiesbrückenbau 1927/28 verbundenen Neugestaltung der Straßenführung geschlossen wurde.

Die Schützenfeste wurden bis 1909 auf dem gesellschaftseigenen Schützenplatz gefeiert (siehe Grundstücke 130 und 1504, verzeichnet in Abb. 7, heute Petersenplatz).

Beim Neubau der Straßenbrücke über die Saale Mitte der 1970er Jahre wurden wahrscheinlich alle noch vorhandenen Reste des Schützenhauses abgetragen. Die ehemals bestandene Bebauung auf dieser Seite des Petersenplatzes, deren sich einige der älteren JenenserInnen noch als „PGH Heinrich Hertz” erinnern (ursprüngliches Eigentum der Trättnerschen Erben), war zu keiner Zeit Bestandteil des Schützenhauses (siehe Abb. 7 und Abb. 7.1)! Sicher gibt das ehemals hier in der Schützenstraße 1 gelegene Lokal „Zur Schützenbrücke” zu diesem Irrtum Anlaß.
Jetzt erhebt sich an dieser Stelle der klotzige Bau der Arbeitsagentur.

Durch die fortschreitende Bebauung des Wenigenjenaer Ufers veränderten sich im Verlauf der Zeit sowohl der Straßenname, als auch die Hausnummer des Schützenhauses:
bis 1904: Wöllnitzer Straße 34 (Tel.-Nr.: 150, ab 1903: 402),
1905: Wöllnitzer Straße 32,
ab 1906: Schützenstraße 1 (seit 1946: Friedrich-Engels-Str.).
Das gleiche gilt auch für die Schießloge:
bis 1904: Wöllnitzer Straße 37,
ab 1905: Obere Wöllnitzer Straße 1.
bis 1913: Abriß im Zuge des Neubaus der Oberrealschule.

Am Kieshügel
Das „Neue Schützenhaus” wurde von 1908 bis 1910 erbaut und im April eingeweiht. Es fand 1911 als „Schützenschlößchen” Erwähnung – /AB/ – siehe auch Abb. 14. Das Schützenhaus wurde 1953 umgebaut und bis 1990/91 von der Friedrich-Schiller-Universität als Studentenunterkunft genutzt (siehe Abb. 15). Dann stand das Haus leer und verfiel. In den Jahren 2003/2004 konnte das Land Thüringen als Eigentümerin die Immobilie veräußern und ein Investor baute das Haus in eine Wohnanlage um (Altersdomizil).

Das Vereinslokal entstand 1911 anstelle zweier alter Scheunen (siehe Abb. 11 und Abb. 12). Es wurde Ende 1941 an die Deutsche Reichsbahn verkauft (RAW), war zwischenzeitlich „Kulturhaus der Glasarbeiter” und Gaststätte „Zum Schützenhof”. Das ist mittlerweile auch Geschichte, die Gaststätte wurde aufgegeben und das Haus soll nun ebenfalls Wohnstätte werden...

1908: Grundstück über dem Jägerbergweg (Fußweg nach Rödigen),
1911: Straße 459,
1931: Rödigenweg 47,
bis 1950: Schützenhofstraße 43,
bis 1991: Straße des 7. Oktober 43,
ab 1991: Schützenhofstraße 43.

Sonstige Quelle: /4a/

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Jena, den 26. Januar 1997 -